MARIJA BOZINOVSKA JONES: Pop-Up zum Politischen Rave

 

MARIJA BOZINOVSKA JONES: Pop-Up zum Politischen Rave

Die 35-jährige Marija Bozinovska Jones lädt am Donnerstagabend (26.9.2013) zum politischen Rave mit einer POP Up Installation bei der Galerie FISCHERUNDFISCHER Berlin.

Marija Bozinovska Jones

Marija Bozinovska Jones: Antiker Held trifft Techno trifft Sozio-Politik

Marija Bozinovska Jones serviert schon mal ein ganzes Schwein mit einer Zitrone im Maul und einer Kamera im Auge, welche die Gäste beim Dinner filmt. Das als Kunstperformance angelegte GROSSE FRESSEN (angelehnt an den gleichnamigen Film aus den 70ern) fand im GRIMM MUSEUM statt und ließ an zwei Abenden jeweils 16 Menschen erfahren, wie sich Völlerei anfühlt – oder um es drastischer auszudrücken – die Inszenierung eines kollektiven Selbstmordes mit Humor.

Aber das ist nur ein Aspekt im vielfach international ausgestellten Werk der 35-Jährigen aus Mazedonien, die ihr Leben im Moment zwischen Berlin und London aufteilt, wo sie an der renommierten Central St. Martins University of the Arts ihr Kunststudium abgeschlossen hat und aktuell an ihren Postgraduate Studies bei Goldsmiths arbeitet.

Marija Bozinovska Jones begibt sich mit ihren Installationen, Performances, Videokunst und Zusammenarbeit mit Musikern (u.a. für DJ Hell, A guy called Gerald, Phoebe Kiddo und Headman) in die Zwischenräume zwischen Politik und unserem Alltag. Sie wirft Realität und Virtuelles, Grenzverlust und Geschichtslosigkeit gegeneinander und schaut sich an, was dabei an Sinn zerstörendem aber auch Sinnstiftendem entsteht. 

Ihre Themen: sozial-politischer Wandel in unserer Kultur, Sprache, Ästhetik, Social Media und immer wieder Musik als Code für die Suche nach Identität. Oft wählt die Künstlerin dabei zeitbasierte Medien und das Temporäre. Ihre Performances spielen mit dem Jetzt und der Vergänglichkeit. Die Orte dafür entleiht sie aus Museen und Galerien und flicht sie ein in Clubkultur und Kunstumfelder.

Ich versuche mit meinen Arbeiten schwerlastig anmutende sozio-politische Themen mit Musik-, Internet- und Subkulturen zu verbinden und dabei auch Humor einzusetzen.

erzählt sie mir als wir über ihre neuste Arbeit „The Future of the Past“ sprechen, die heute Abend um 19 Uhr für drei Tage und Nächte in der Galerie FISCHERUNDFISCHER am Straußberger Platz zu sehen sein wird. Eine temporäre Pop-Up Ausstellung könnte man denken –  einen „Politischer Rave“ nennt Marija sie.

Politscher Rave bei FISCHERUNDFISCHER

Mit The Future of the Past inszeniert Marija Bozinovska Jones rein technologisch und physisch betrachtet ein Szenenbild im Eingangsbereich der Galerie, das Teile ihrer Videos mit Artefakten der Clubkultur und der Büste eines großen Kriegers der Antike verbindet. Marija hat mithilfe von 3D-Technologie ein Porträt von Alexander des Großen in eine Glasskulptur eingraviert, die grüne Laserstrahlen auf die Opening-Gäste schießen wird. Die Galerie selbst wird komplett in Nebel gehüllt sein.

Auf intellektueller Ebene beschäftigt sich die Arbeit mit ‚perpetual online presence‘ und Nationalismus – zu dem Marija folgende Gleichung aufmacht:  Nationalismus gleicht Provinzialismus.

The Future of the Past ist, wenn man so will, eine Weiterentwicklung einer ihrer vorher gegangenen Arbeiten: mit FOLKOTEKA 2.0 hat Marija 2012 das Phänomen ‚Turbofolk‘ vorgestellt. Turbofolk ist ein Musikgenre, das Balkan-Folkmusik mit Eurodance Beats zusammenbringt, während der Nachkriegszeit im ehemaligen Jugoslawien entstanden ist und Konsum, Kriminalität sowie Nationalismus zelebriert. Für FOLKOTEKA 2.0 hat sich die Künstlerin Online-Identitäten und Posts von Turbofolk Fans ‚ausgeliehen‘ , daraus Karaoke-Videos geschnitten und mit dabei gleichzeitig mit der Anonymität und dem Prosumerismus in der digitale Sphäre gespielt.

Ich interessiere mich speziell für ‚transitional societies‘, Gesellschaften, die großen politischem Wandel ausgesetzt sind. Was passiert hier mit den kulturellen und ästhetischen Artefakten (ich nenne sie auch ‚cultural glitches‘)? Mich beeindruckt außerdem, wie sich in dieser Zeit der digitalen Existenz und dem online Self-Curating, die persönliche Identität innerhalb der nationalen definieren lässt.

Diesen Sommer hat Marija in Zusammenarbeit mit einem Aktivistischem Chor aus Mazedonien ‚Singing Skopjans‘ produziert und dabei mazedonische Turbofolk Versionen an öffentlichen Plätzen und Kulturhäusern gesungen. Ähnlich wie das Yoga im Park in Istanbul, wirkte der Chor als friedlicher Protest gegen Korruption, Gewaltausübung durch die Polizei und andere illegale Aktivitäten der offiziellen Behörden dort. Das Protestmittel einer jungen Generation von Aktivisten, die mit Musik und Kunst auf die Situation im auf der Weltkarte unterrepräsentierten Staat aufmerksam macht.

Marija Bozinovska JonesFoto: live audiovisual performance by Phoebe Kiddo and Marija Bozinovska Jones

OPENING: THE FUTURE OF THE PAST

Eröffnung: Donnerstag, 26. September 2013 // 19 Uhr
bei Galerie FISCHERUNDFISCHER / STRAUSBERGERPLATZ 18 / 10243 BERLIN
Laufzeit: 26.09. –  29.09.2013 // Öffnungszeiten: Fr.-bis So. 17- 22 Uhr und nach Vereinbarung



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