Jüdisches Museum

ARTberlin Museumsguide 

Jüdisches Museum

Das Jüdische Museum Berlin mit Bibliothek und Akademie fasziniert mit 2000 Jahren deutsch-jüdischer Geschichte in beeindruckender Libeskind-Architektur.

Warum ins Jüdische Museum?

2000 Jahre jüdische Kultur und Geschichte zeigen sich inmitten einer riesigen, verschachtelten Museumsarchitektur. Wundervoll inszenierte und detaillierte Ausstellungen lassen hier schnell die etwas ungewöhnliche Begrüßung durch flughafenähnliche Sicherheitskontrollen am Eingang des Museums vergessen.

Dass das Jüdische Museum Berlin das größte dieser Art in Europa ist, wird nicht nur an der überwältigenden Größe der Museumsfläche spürbar. Der riesige Komplex beherbergt neben der Dauerausstellung und mehreren Wechselausstellungen, außerdem eine Bibliothek, das Rafael Roth Learning Center, Archive und schließlich die Akademie mit ihren Forschungseinrichtungen.

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Außenansicht Jüdisches Museum Berlin, Libeskind-Bau © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Jüdisches Museum: Öffnungszeiten, Eintritt und Adresse

Öffnungszeiten

Mo: 10:00-22:00 Uhr
Di-So: 10:00-20:00 Uhr
Kassenschluss jeweils eine Stunde vor Schließung des Museums.

Adresse

Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Telefon

+49 (0)30 25 79 67 51

Webpage

http://www.jmberlin.de

Führung

Anmeldung über die Bildungsabteilung:
Tel.: +49 / 30 25993 305 / gruppen@jmberlin.de

Eintritt & Tickets

Dauer- und Sonderausstellungen € 8,-, ermäßigt € 3,- Familienticket (2 Erwachsene, bis zu 4 Kinder): € 14,- Eintritt frei bis 6 Jahre. Vergünstigte Tickets in Kooperation mit der Berlinischen Galerie.

Anfahrt

U-Bahn: U1, U6 Hallesches Tor / U6 Kochstraße
Bus: M29, M41, 248

Barrierefreiheit

Bedingt rollstuhlgeeignet.

Kunstrichtung

Handwerk, Geschichtsdokumente, Malerei, Fotografie


Durch die Ausstellung: 2000 Jahre Jüdische Geschichte

Vom Mittelalter über das Barockzeitalter bis hin zur Gegenwart wird die jüdische Geschichte auf mehreren Etagen ausführlich vorgestellt und durch verschiedene Aktivitäten ein Erlebnis zum Schauen, Hören und Mitmachen.

Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt in den grauen, minimalistisch gestalteten Kellerräumen. Riesige schwarze Schriftzüge mit den Herkunfts- oder Deportationsstädten der Juden ziehen sich durch eine verwinkelte Raumarchitektur. Ein Lichtstreifen an der Decke führt den Besucher durch breite Gänge, die kaum rein horizontale oder vertikale Linie besitzen. Einzelne Ausstellungsstücke aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges liegen in mattem Licht hinter runden Guckkästen. An den Keller anschließend befindet sich außerdem der Garten des Exils. 49 graue Betonsäulen mit Ölweiden bepflanzt erheben sich eindrücklich auf der einzigen quadratischen Form des Museumskomplexes.

Die Dauerausstellung

Zwei Jahrtausende deutsch-jüdische Geschichte, die mit einer überwältigenden Fülle an Informationen und Objekten Potential für stundenlange Museumsbesuche bietet. Hier wird nicht allein die Zeit des Zweites Weltkrieges und des Holocausts thematisiert, vielmehr geht es um das jüdische Leben selbst, um die Traditionen und Rituale, das Familienleben, die Rolle der Frau und ihre Geschichte der Emanzipation oder um jüdische Intellektuelle und Prominente.

Architektur: Barock trifft zeitgenössischen Libeskind

Allein die Architektur ist mehr als ein Besuch wert. Das Jüdische Museum Berlin besteht aus mehreren Gebäuden: dem barocken Altbau des Kollegienhauses, dem Neubau des preisgekrönten Architekten Daniel Libeskind und der Akademie mit Bibliothek auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Trotz seiner stilistischen Gegensätzlichkeit schmiegt sich der zickzackförmige Neubau perfekt an die historischen Gemäuer. Schmale Fenster, schräge Wände, spitze Winkel, undurchsichtige Leerräume. Anfänglich sind die Wege etwas verwirrend, denn meist gibt es gleich mehrere Möglichkeiten sich durch die Ausstellung zu bewegen. Ab und zu erscheinen völlig leere, dunkle Gänge, die kein einziges Ausstellungsstück zeigen.

Die architektonische Verschachtelung erzeugt an ihren Schnittstellen Leerräume. Diese sog. Voids ziehen sich thematisch durch das gesamte Museum und sind durch Gucklöcher einsehbar. Fast einschüchternd und nichts für schwache Gemüter ist der Holocaust Turm „Voided void“. Ein 24 Meter hoher, düsterer, komplett leerer Raum, der allein durch einen kleinen Spalt hoch oben an der Decke Licht gewinnt. Die Architektur wirkt bedrückend, dunkel und verworren, genau wie die Geschichte der Juden. Libeskind lässt die gesamte Architektur allerdings völlig offen für Interpretationen.

Hungrig? Café-Restaurant Schmus & Schteh-Café

Auch für externe Gäste offen, ist das Café-Restaurant Schmus im Glashof des Jüdischen Museums. Experimentierfreudige dürfen kreative Gerichte, inspiriert aus der traditionellen jüdischen Küche probieren. Alternativ findet hier auch ein Freund von soliden hausgemachten Kuchen oder Keksen seinen passenden Snack.

Auf halber Etage, zwischen den Ausstellungsräumen liegt das Schteh-Café. Eigentlich kein richtiges Café, aber koffeinhaltige Getränke und Süßes für Zwischendurch gibt es auch hier… vom Automaten. Besonderes Highlight ist der Kunstautomat mit Werken junger jüdischer Künstler aus Berlin.

Museen in der Nachbarschaft

Nur rund 250 Meter entfernt liegt die Berlinische Galerie. Richtung Potsdamer Platz lohnt sich ein kurzer Spaziergang zum naheliegenden Martin-Gropius-Bau und dem Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.

In welches Cafè oder Restaurant danach?

In der Nähe der Kochstraße liegt das in der Kunstszene sehr beliebte italienische Restaurant Sale e Tabacchi. Wer dagegen lieber japanisch isst und gleichzeitig nach neuer Avantgarde-Mode stöbern möchte, ist im Concept Store Oukan 71 auf der Kronenstraße genau richtig.

Text: Michaela Grosse