Hedi Slimane: Berlin

Fotobücher 

Hedi Slimane: Berlin

Fotobücher! Riesige Bildbände voll Kunst, die sich dekadent unnütz auf unseren Holzböden stapeln. WE LOVE YOU! ARTberlin stellt ab heute die schönsten unter ihnen vor. Wir haben dafür eine fabelhafte Kolumnistin gewinnen können: Julia Braun schreibt von nun an regelmäßig über ihre Fotobuch-Favoriten und die Begegnungen mit den Künstlern. Den Start macht Hedi Slimane.

Hedi Slimane

Silent City: Hedi Slimanes Berlin

Hedi Slimane nimmt uns mit in sein Berlin. Es ist ein Berlin ohne Farben, ohne Wahrzeichen und ohne Frauen. Nicht laut, nicht bunt. Reduziert auf schwarz und weiß und tausend Töne grau. Schlägt man das Buch auf, so fällt einem zuerst das doppelte Vorsatzpapier auf. Dann ein Bild und dann der Titel in 7pt Helvetica. Gute Augen hat wer das noch lesen kann.

Hedi Slimane Buch

Seine Bilder zeigen zwar Berlin, aber sind sie wirklich dort aufgenommen? Weniges wirkt vertraut. Eine Stadt reduziert und aufgelöst in ihre Formen. Dazwischen junge Männer, distanziert, somnambul, abwesend/anwesend bewegen sie sich durch die Stadt. Die Bildanordnung einfach, immer zwei Bilder als Paar, komplett im Anschnitt auf der oberen Hälfte der Seite und die untere Hälfte ist leer – silent. Kein Titel, keine Erklärung. Mittendrin zwei Seiten gedruckt auf Recyclingpapier in völlig anderem Format. Slimane gibt uns immer wieder Rätsel auf, die er für uns nicht lösen will. Und dennoch lässt er uns nie ratlos zurück.

Seine Bilder erinnern an die frühen Werke von Wolfgang Tillmans, zeigen sie doch ein Leben, dass sich am Leben berauscht und versucht. Zerwühlte Betten, willkürliche Skulpturen aus Jacken/Taschen/Schuhen wie sie am Eingang jeder guten Party zu finden sind und die obligatorischen Musikwerkzeuge: Kopfhörer, Boxen, Verstärker. Und dennoch bleiben die Bilder still. Sie faszinieren durch ihre Einfachheit und Reduktion.

Hedi Slimane

Auch mir gibt Slimane ein Rätsel auf. Als er mir ein Exemplar von Berlin signiert und mehr als seinen Namen zu schreiben scheint schaue ich ihn fragend an, denn ich kann seine Schrift nicht lesen.

You can’t read it? fragt er mich.
Not at all, antworte ich.
I know, but I won’t tell you what I have written.

Text & Fotos: Julia Braun