Sammlung Würth im Martin-Gropius-Bau

Ausstellungs-Highlight Berlin 

Sammlung Würth im Martin-Gropius-Bau

Reinhold Würths Sammlung umfasst rund 17.000 Werke. Highlights daraus zeigt der Martin-Gropius-Bau bis zum 10. Januar 2016 . Darunter die 50 Mio. schwere Schutzmantelmadonna.

Sammlung Würth – Kunstgeschichte rückwärts

Weltmarktführer für Schrauben wurde Reinhold Würth zum globalen Kunstsammler. Was er beginnt, ist hochklassig, sprengt den gewohnten Rahmen. Mit 17000 Kunstwerken ist die Würth-Sammlung eine der größten Privatsammlungen in Europa. 400 Kunstwerke sind derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen, sehr prominent, sehr hochwertig, sehr wuchtig, insbesondere die Skulpturen und Installationen.

Die Moderne in vielen Facetten

Henry Moores Riesenskulptur „Bronze Large“ empfängt den Besucher schon in der Eingangshalle des Martin-Gropius-Baus. Großes ist also zu erwarten, zurecht und gleichzeitig in einer sehr interessanten Konzeption. „Von Hockney bis Holbein“ ist eine Zeitreise aus der Gegenwart über die Moderne des 20. Jahrhunderts von Abstraktion, Informel, Expressionismus bis Riemenschneider.

Düster erinnert „Judgement Sculpture im Lichthof Anthony Caros an die Krisengebiete der Welt, umrahmt von Baselitz Bilderwelt, die in motivgleichen Sequenzen sich auf den Kopf stellt.

Anthony Caro: The Last Judgement-SculptureAnthony Caro: The Last Judgement Sculpture, 1995-1999 © Sammlung Würth, Foto: Mathias Völzke, 2015

Von Heute zum Gestern oder umgekehrt

David Hockney: Three Trees near Thixendale, Spring, 2008 Sammlung Würth, Inv. 12500 © David Hockney 2015, Foto: Richard SchmidtDavid Hockney: Three Trees near Thixendale, Autumn, 2008. Sammlung Würth, Inv. 12502 © David Hockney 2015, Foto: Richard Schmidt

Der Ausstellungsbesucher hat die Wahl. Nach rechts beginnt er historisch mit Holbeins Schutzmantelmadonna, nach links mit Hockney als Beginn einer Zeitreise zurück. Egal welchen Weg man nimmt, die Exponate an sich überwältigen, weniger die Positionierung, die trotz aller erklärten Konzeption wegen der Fülle nicht stringent durchgehalten werden kann und durch zu enge Positionierung, inbesondere der Skulpturen, den Kunstwerken die Aura nimmt, die Ausstellung mitunter zur Wunderkammer degradiert. Anish Kapoors „Innocent Blood“ beispielsweise braucht wesentlich mehr, vor allem hellen Raum, um zur Wirkung zu kommen.

Hans Holbein: SchutzmantelmadonnaHans Holbein d. J.: Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen, („Schutzmantelmadonna“),  Sammlung Würth, Inv. 14910 © Sammlung Würth, Foto: Philipp Schönborn

Vernetzung statt Chronologie

Pablo Picasso: Venus und Amor, 1968 Sammlung Würth, Inv. 3006 © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2015Foto: Picasso „Venus und Amor“

Themenräume helfen bei der Orientierung, sind mit Beckmann, Picasso, Max Ernst, Warhol, Oursler, Abakanowicz, Chillida, May Bill, Christo & Jeanne-Claude, Tinguely sehr prominent bestückt und offen für weitere Künstler, weil Würth gleich ganze Konvolute sammeln ließ, was die unterschiedlichen Qualitäten der Exponate erklärt. Zuweilen ergeben sich Aha-Erlebnisse, wenn ein Matisse neben Andy Warhol hängt, Gromleys Eisenguss seines eigenen Körpers bäuchlings auf den Boden liegend auf Munchs „Vampir“ (1938) blickt.

Gesehenes wiedersehen, völlig Neues wirken lassen

Max Beckmann: Landschaft bei Saint-Cyr-Sur-Mer, 1931 Sammlung Würth, Inv. 6787 © Sammlung Würth, Foto: Philipp SchönbornFoto Beckmann „Landschaft bei Saint-Cyr-Mer“

Und plötzlich taucht Beckmanns „Quappi in Blau im Boot“ auf, ein Bild das in der Münchner Pinakothek im Rahmen der Ausstellung „Frauen“ 2012 zu sehen war. Völlig neu dürften für Besucher die Exponate aus „Mexicanidad“. Abakanowicz „Black Crowd“ zwingt zum Stehenbleiben. Rudolph Hausers „Liebestod“ berührt. Massons „Stierkämpfende Insekten“ amüsieren. Jeder Besucher hat die Wahl seiner persönlichen Favoriten.

Würth bespielt nicht nur ein eigenes Museum in seinem Firmenimperium in Künzelsau, die Kunsthalle Würth Schwäbisch Hall und seit 2006 die Kunstkammer Würth im Berliner Bode-Museum mit wechselnden Ausstellungen, er ist global mit den großen Museen der Welt vernetzt. Die derzeitige Ausstellung im Gropius-Bau zeigt die außerordentliche Qualität dieser Sammlung und ist gleichzeitig eine Hommage an den Sammler Reinhold Würth zu seinem 80. Geburtstag. Die Frage stellt sich allerdings, wie ein Unternehmen, derartige hochwertige Kunstschätze ansammeln kann, wenn schon allein Holbeins „Schutzmantelmadonna“ der geschätzte Kaufpreis von 50 Millionen Euro nicht in Abrede gestellt wird.

Von Hockney bis Holbein – Die Sammlung Würth in Berlin

Die Ausstellung läuft bis 10. Januar 2016
Öffnungszeiten. MI bis MO 10:00–19:00 // DI geschlossen
Martin-Gropius-Bau / Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin

Text: Michaela Schabel
Foto ganz oben: David Hockney: Three Trees near Thixendale, Winter, 2007 Sammlung Würth, Inv. 12503 © David Hockney 2015, Foto: Richard Schmidt




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