THE FEMALE GAZE

OPENING 

THE FEMALE GAZE

Diesen Freitag eröffnet im Kunsthaus Erfurt die Gruppenausstellung The Female Gaze – On Body, Love, and Sex. Die Kuratorin Isabelle Meiffert bringt zehn international arbeitende Künstlerinnen zusammen, die einen eigenständigen Blick auf die Frau, auf Körper und auf Sexualität formulieren. Wir sind sehr gespannt auf die Ausstellung in Erfurt und für alle, die es nicht in die schöne Domstadt schaffen: am 4. Mai eröffnet in der Studiogalerie vom Haus am Lützowplatz der Berliner Teil der Ausstellung. Wir möchten noch nicht zu viel verraten, teasern Euch aber gerne die teilnehmenden Künstlerinnen nebst ihren wunderbaren Arbeiten an:

Portrait Isabelle Meiffert, Kuratorin The Female Gaze – On Body, Love, and Sex, Foto: Boris Kralj

KURATORIN ISABELLE MEIFFERT ÜBER THE FEMALE GAZE

Die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper geht auf eine lange kunsthistorische Tradition zurück. Ein traditionell vom männlichen Blick vorgeschriebenes Territorium, das die zehn Künstlerinnen betreten.

Über Eglė Ottos Malereien und unseren intensiven Austausch habe ich mich stärker mit einem aktuellen weiblichen Blick auf Körper und Sexualität auseinandergesetzt und ihn auch bei anderen Künstlerinnen gesucht. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele Künstlerinnen auch 2018 noch einen männlichen Blick reproduzieren oder bewusst dagegen arbeiten. Mich interessieren Positionen, bei denen Rollenzuschreibungen aufgelöst werden und ein eigenständiger weiblicher Blick formuliert wird. In den letzten zwei Jahren habe ich viel gesucht – auf Ausstellungen, in Ateliers, im Netz, über Empfehlungen – und Positionen gefunden, die mich ästhetisch wie konzeptuell überzeugen. Sie sind ab dem 6. April im Kunsthaus Erfurt und ab dem 4. Mai im Haus am Lützowplatz in einer sehr sinnlichen Ausstellung zu erfahren.
 

Laure Prouvost, Into all that is here, 2015, Videostill, courtesy: the artist and carlier | gebauer, 2015

LAURE PROUVOST

Die immersive Videoinstallationen der Turner-Prize-Trägerin Laure Prouvost, in der der menschliche Körper kaum gezeigt werden, sprüht vor Sinnlichkeit, Lust und Erotik und ist durchsetzt mit feinem Humor.

Egle Otto, o. T., 2018, Öl auf Leinwand, Foto: Ralph Baiker, courtesy: the artist and Galerie Mathias Güntner

EGLÈ OTTO

Die Malereien von Eglė Otto zelebrieren einen lustvollen Blick auf Körperlichkeit und Sexualität, der ihre Betrachter_innen herausfordert, eigene Kategorien zu überdenken. Vieles wird angedeutet und bleibt durch die fließenden Formen und die ineinander übergehenden Körperteile, die keinem Körper und keinem Geschlecht eindeutig zugeordnet werden können.

Juliana Cerqueira Leite & Zoë Claire Miller, A Night with the Girls, Ausstellungsansicht Manual Override – the landing strip, Berlin 2016, Foto: Gunnar Lillehammer

JULIANA CERQUEIRA LEITE & ZOË CLAIR MILLER

Die Arbeiten von Juliana Cerqueira Leite & Zoë Claire Miller sind sinnlich, intim und körperlich erfahrbar. Für die Ausstellug in Erfurt realisieren die beiden Künstlerinnen im Eingangsbereich vom Kunsthaus ortsbezogene Arbeiten, die nicht nur Skulpturen umfassen, sondern die Atmosphäre des Raumes durch eine Veränderung des Lichts verändern.

Anaïs Senli, I’m not like you, 2017, Videoinstallation

ANAÏS SENLI

Die begehbare, raumbezogene Videoinstallation I’m not like you, ein Portrait einer jungen Frau, offenbart Details eines nackten Körpers in Kombination mit einer ruhigen Stimme, die von persönlichen Erinnerungen, Zweifeln und Sehnsüchten spricht. Die Installation, deren Erzählung ohne Anfang und Ende auskommt, bietet eine Projektionsfläche für eigene Wünsche, Sorgen und Sehnsüchte.

8_Claudia_Hart_self-scanning_HR

Claudia Hart, Self Scan, 2014, Inkjet Print eines virtuellen Modells auf Hahnemuhle- Papier, Auflage 6, 139,5 x 111,5 cm

CLAUDIA HART

Die New Yorker Künstlerin Claudia Hart setzt sich in ihrer Serie Serial Mortification mit körperlichen Veränderungsprozessen auseinander: 3D-Modelle werden erzeugt, um mit einem Programm, mit dem üblicherweise Zombies für Computerspiele gefertigt werden, partiell transformiert zu werden. So werden Jugendwahn und Alterungsprozesse sowie Optimierung von menschlichen Körpern thematisiert und kritisch reflektiert.

1_Antje_Prust_D.I.L.F._2016_Videostill

ANTJE PRUST

Die Installation aus Matratze und Laptop von Antje Prust erinnert zunächst an ein Setting für den Konsum von Pornografie. Doch statt zu einer schnellen Triebabfuhr lädt die Arbeit dazu ein, Möglichkeiten von Intimität und Zugehörigkeit jenseits von Reproduktion und heteronormativen Konzepten von Männlichkeit und Weiblichkeit zu erforschen.

6_SabrinaJung_SchoeneFrauen_12_2011

SABRINA JUNG

Sabrina Jung zeigt in der Serie Schöne Frauen Collagen von Frauen aus den 20er – 50er Jahren auf deren Gesichter stark geschminkte Models aus aktuellen Mode- Fotografieren montiert sind. Ihre roten Münder und dunklen Augenlieder wirken verführerisch, werden jedoch in der seriellen Wiederholung der inszenierten Fotografien ad absurdum geführt. Die individuelle Schönheit der Frauen scheint zugunsten einer austauschbaren Maske aufgegeben.

9_Selma_Alacam_Körperprojektionen_4

Die siebenteilige, fotografische Serie Körperprojektionen von Selma Alaçam zeigt weibliche Aktaufnahmen der Künstlerin, die von orientalischen Mustern bedeckt werden. Zwischen Enthüllen und Verbergen – einem Spannungsfeld, das kulturell unterschiedlich geprägt ist und gleichzeitig ein wichtiges Element von Erotik darstellt –wird hier auch gefragt, inwiefern der weibliche Körper eine dekorative Projektionsfläche darstellt bzw. selbst zum Ornament wird.

CHICKS ON SPEED

7_Chicks_on_Speed_Robot_Love_interaktive_Installation

Die multimedialen Rauminstallationen, Performances und Konzerte des Kollektivs Die Chicks on Speed (1997 von der US-Amerikanerin Melissa Logan und der Australierin Alex Murray-Leslie gegründet) sind provokant, subversiv und vielfach interaktiv. Mit großem Einfallsreichtum und Kreativität verschmelzen sie die Grenzen von Kunst, Musik, Poesie, Neuen Medien und Politik. Dabei spielen Gender-Themen, Weiblichkeit und Sexualität eine große Rolle.

KUNSTHAUS ERFURT

Eröffnung: Freitag, 6. April 2018, 20 Uhr

Ausstellung: 07.04. – 01.06. 2018

Ort: Kunsthaus Erfurt, Michaelisstraße 34, Erfurt

Öffnungszeiten: Dienstag -Freitag 12-18 Uhr u.n.V.

http://www.kunsthaus-erfurt.de/?p=2780

HAUS AM LÜTZOWPLATZ BERLIN

Eröffnung: Freitag, 4. Mai 2018, 19 Uhr

Ausstellung: 5. Mai–17. Juni 2018

Ort: Studiogalerie – Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag, 11 – 18 Uhr

http://www.hal-berlin.de/ausstellung/kuratiert-von-isabelle-meiffert/

Text: Redaktion ARTBerlin

Textauszüge zu den Künstlerinnen: Isabelle Meiffert