documenta 14 Athens #d14

INTERNATIONAL 

documenta 14 Athens #d14

Documenta in der griechischen Hauptstadt, Kunst am Kulturort. Neben vielen anderen Performances, haben wir am Kotzia Square an der des pakistanisches Künstlers Rasheed Araeen teilgenommen. Menschen wurden zum Mittelpunkt einer intimen Kommunikation; auch wir. Der Ansatz ‚Food for Thought: Thought for Change‘ funktionierte. Fazit für uns, wir lernten von Athen und vor allem von den Athenern.
Die Essenz dieser Performance, das war für uns die documenta in Athen.

Vier Langstrecken-Reiter reiten 3.000 Kilometer von Athen nach Kassel. „The Transit of Hermes“ vom schottischen Konzept-Künstler Ross Birrell (2017).

Die documenta 14 eröffnet und Reiter galoppieren los von der Akropolis zum Herkules. Diese Stadt Athen ist alt und eng, an vielen Stellen eher ausgelegt für Pferdeverkehr. Und trotz all der Würde und Ehrfurcht die Athen ausstrahlt, die Augen verschließen vor der so pulsierenden jungen Stadt ist unmöglich.

Wo ist die Krise?

Überfüllte Tavernen, Cafés, ausgelassene Stimmung bei den Jungen, die Alten mischen sich darunter. Generationen-Clashes sind kein Thema, die Athener rücken zusammen, die Alten akzeptieren die Jungen und setzen auf ihre Impulse. Welches Land wird in wirtschaftlich schlechten Zeiten links regiert?

Griechenland.

Besucher relaxen in der Abendsonne seitlich des Odeions (Athener Konservatorium).

Einiges ist anders und anders gut bei den Griechen, den Vätern der frühen europäischen Hochkultur. Wo in Deutschland das Denkmalamt zuständig ist, prangt in Athen Street-Art, hier finden sich aneinandergereiht wie zu einem Ganzkörpertattoo Graffitis, Stencils und Tags.

Nicht nur am documenta Spielort und Stadtteil Exarchia, dem Gebiet nord-westlich der Akropolis, da wo es den Hügel hinauf geht zum Archäologischen Museum. Hier leben Anarchos und Studenten und Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der documenta 14.

Streets of Athens, 2017

Ist Szymczyk einfallsreich, mutig oder weise mit dem Gang nach Athen?

Manche Stelle konfrontiert den Polen gar mit dem Vorwurf der Kolonialisierung. Das Unbehagen das sich mit der Konnotation einstellt, gewinnt einen Spielraum. Die Komfortzone wird verlassen, die Kritik am Konzept und dem unterstellten Einfall der deutschen Kunst-Elite in Griechenlands Hauptstadt eröffnet verschiedene Ebenen der eigenen Zuständigkeit. Diese muss ich zugeben, wenn ich mich aufmache nach Athen um einem politisch-intellektuellen Event in der Mitte eines anderen Volkes beizuwohnen.

In diesem Moment erfüllt sich, was Szymszyk als Essenz von d14 formuliert.

Laut Adam Szymczyk geht es in seinem Konzept von documenta um den individuellen, den denkenden Körper, der sich dem Machtapparat entgegenstellt, das, so Szymczyk, denke er, sei der Schlüsselmoment.

„Freiheit für alle politischen Gefangenen.“ Ein Grieche am Syntagma Square.

Beantwortet sich hier die Frage, was wir von Athen lernen sollen?

Denn mit der Installation des Lernens als Konzept wird das individuelle und eigenständige Denken herausgefordert und aktiviert. Mit der Kunst und weniger mit der Politik, des etablierten Machtsystems, sondern aus der Bevölkerung findet Annäherung, findet Europa statt.

Die Athener sind Beispiel dafür, nicht in Passivität zu verfallen, sich der schlechten Lage entgegen zu stellen und die Deutschen als Freunde willkommen zu heißen.

Detailaufnahme des Müll-Sammelsuriums aus Athen, welches Daniel Knorr zusammengetragen hat. ‚Materialization’ (2017).

Qhiya Queens vor der ASFA – Athens School of Fine Art. ‚The Portrait‘ (2016).

Mit der d14 brilliert ein Konzept indem es in für das noch junge Europa nie dagewesenen prekären Zeiten Kultur nicht abschafft, sondern Zeitgeschichte abbildet, wenn auch auf bequemem Wege. Auszuziehen um sich etwas Unbekanntem zu stellen, umschreibt geschickt den hässlichen Alltag flüchtender Menschen.

In der Krise zu sein und zusammenzurücken wird zur Performance-Realität.

„Interior decoration“ von Beatriz Gonzalez (1981) zu sehen im Keller des Odeion.

‚Von Athen lernen’ – der Arbeits- und Untertitel der d14 formuliert einen Fortschritt.

Ein Zugewinn wird nicht nur in Aussicht gestellt, sondern ist bereits feststehend verankert.

Aufforderung und Feststellung. Es lernt der Einzelne für sich und das Kollektiv für das große Ganze.

Documenta in Athen das ist ein sich auf die documenta begeben, und so folgt das Folgende aus der persönlichen Perspektive.

Besucherin im Keller des Odeions (Athener Konservatorium).

Ich komme aus Berlin und stapfe ähnlich eines Pilgergangs durch das ungewisse Athener Terrain, anders zu einer Art Jakobsweg verhält sich, dass das ausgerufene Ziel, der Ort der Ankunft meinem documenta walk zunächst fehlt.

Anfängliche Schritte gleichen zunächst einem diffusen Herumwabern, sind eine Mischung aus sich in Stadt und Tempo zurechtfinden, d14 Orte erreichen und sich gerne von Kunst erreichen lassen wollen.

Nach Tag eins ist der Zufall fest integriert, ich ergebe mich der Ungerichtetheit und fließe durch die Straßen Athens, sammele in Ausstellungen und bei Performances einen Erfahrungsschatz.

Kunstschnitzerei und Zeremonie – die Masken von Beau Dick (1955-2017) im Untergeschoß des EMST.

Den Auftrag lernen zu müssen trage ich mit, ich möchte lernen, Athen unvoreingenommen und neugierig begegnen, mein Denken erweitern oder verändern. Und bei mir tut sich etwas, und zwar während der nicht kuratierten, sozialen Interaktion auf dem Kotzia Square, die als soziale Interaktion ungerichtet passiert.

Auf dem Platz vor dem Rathaus sättigt die Performance Shamiyaana—Food for Thought: Thought for Change. Rasheed Araeen hat pakistanische Hochzeitszelte mit vereinfacht dargestelltem Muster in Rautenform angefertigt und aufgebaut.

Der Künstler lädt ein und lässt zwei Mal pro Tag kochen. Um gemeinsam ein Drei-Gang-Menü einzunehmen, versammeln sich auf einer in vier Essbereiche geteilten Plattform aus Holz und geschützt von Zeltbahnen an 12 Tischen circa 50 Personen. Anwohner, documenta-Besucher, Obdachlose kurzum wer sich am Platz einfindet und interessiert.

Es wird wieder gekocht im Rahmen der documenta. ‚Shamiyaana – Food for Thought: Thought for Change’ von Rasheed Araeen (2016-2017). Pakistanische Hochzeitszelte laden zum Speisen und Verweilen. Straßenmusikantin Mercedes spielt für die Gäste auf ihrem Akkordeon.

Irgendwann – und diesen Übergang mitzubekommen verpasse ich – stellt sich ein Grundrauschen von Verständnis für d14 in Athen ein, ich verspüre wissende Sicherheit.

Das Credo ‚Von Athen lernen’ ist das Santiago der documenta 14, und nicht der Weg ist das Ziel, es ist die Einstellung.

„When Elephants Fight, It Is the Frogs That Suffer.“ Ben Patterson (1934-2016) Installation im Byzantinischen Garten (2016–17).

When Elephants Fight, It Is the Frogs that Suffer

Ob und wie die Eindrücke aus Athen beim d14-Besucher eine Reflektion anschließen lassen und schließlich eine Neu-Positionierung anstoßen, entscheidet der von Szymszyk zitierte ‚denkende Körper’ des Individuums und im persönlichen Aufeinandertreffen erklärt Adam Szymczyk: ‚Jeder kann zeitgenössische Kunst verstehen, alles andere ist Blödsinn.’

Um diesem Schluss nicht zu unterliegen, unterhalten sich die Frösche – auf griechisch, englisch und deutsch

‚Don’t you know about yesterday?!’.

Author: Valeria Geritzen

Photo Credit: Valeria Geritzen




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