Galerie Kornfeld. Aufbruch in der West-Berliner Kunstszene.

Neue Galerien in Berlin 

Galerie Kornfeld. Aufbruch in der West-Berliner Kunstszene.

Die drei Galeristen der Galerie Kornfeld sind fest entschlossen neben guter Kunst den Glamour zurück in den Berliner Westen zu bringen.

Natela Iankoshvili

Ihr Galeriefest hallt immer noch nach in der Fasanenstraße,

hat sich die Nachbarin gestern bei Alfred Kornfeld bedankt. In einer der schönsten Straßen Charlottenburgs in der normalerweise gesetzte ältere Herrschaften ihren Weg ins Literatur Café finden, klackerten an einem Samstagabend vor vier Wochen die Absätze einer internationalen Kunstliebhaberschaft über das Pflaster. Die Eröffnungsfeier der Galerie Kornfeld war keine kleine Sache.

Man zog vom Empfang in der Galerie mit einer ersten Einzelausstellung von Natela Iankoshvili, eine der bedeutendsten georgischen Malerin des 20. Jahrhunderts,  in die Räumlichkeiten des Bureaus in der Belle Etage zwei Häuser weiter bis man schließlich in einer zusätzlich angemieteten Wohnung im Nachbarhaus bis um fünf Uhr morgens weiter feierte.

Wir haben den Standort der Galerie nicht strategisch geplant. Die Räume sind viel mehr zu uns gekommen und das hat sich stimmig angefühlt. Die Idee war, unserer Liebe zur Kunst eine Form geben, die uns entspricht.

sagt Alfred Kornfeld.

Galerie Kornfeld: Galerie, Collection und Bureau

Wir sitzen beim Frühstück in einer großen Altbauwohnung umgeben von großformatiger Malerei und Skulpturen. Auf dem Tisch stehen Croissants und warmer Dinkelbrei mit Mandelmus. Alfred Kornfeld, der Gründer der Galerie von allen liebevoll Freddy genannt, ist gerade aus dem Ayurveda Urlaub zurückgekehrt. Auftanken vor dem großen Sturm könnte man meinen.

Zusammen mit Mamuka Bliadze (Mitgesellschafter, Geschäftsführer und Galeriedirektor) und Anne Langmann (Mitgesellschafterin) hat er hier, in der so genannten Collection, Werke aus den Privatsammlungen der drei zusammen getragen. In den vorderen Räumen der Collection werden Gäste empfangen, die hinteren bewohnt Mamuka Bliadze, der in mehreren Metropolen temporäre Kunsträume betrieben hat und nun seit zwei Monaten in Berlin wohnt.

Galerie Kornfeld:

Die Galerie selbst liegt mit 160 qm ebenerdig im gleichen Haus und führt in einen grünen Garten hinaus.
Im Haus nebenan befindet sich das Bureau. Satte 240 qm Altbau, die als Büro aber auch als erweiterter Ausstellungsraum dienen. Die klassische Galerie-Hinterkammer in groß und schön sozusagen. Auch jene Räume, die früher Sabine Christiansen als Büro dienten, haben die drei per Zufall, oder besser gesagt Fügung, gefunden. Als sie die Galerie bezogen, führte ein Zusammentreffen mit dem Hausbesitzer auf der Straße zum Mietvertrag. Im Moment hängen im Bureau ebenfalls Arbeiten der Künstlerin Natela Iankoshvili. Warum die drei Galeristen eine bereist verstorbene Künstlerin für ihre erste Ausstellung gewählt haben?

Wir haben sieben Jahre lang intensiv daran gearbeitet, Kunstwerke aus verschiedenen Privatsammlungen und Museen für die Ausstellung zusammen zu tragen. Ich kenne Natela Iankoshvili und ihre Kunst seit meiner Kindheit. Obwohl sie bereits verstorben ist, würde ich ihre Kunst als „junge Kunst“ bezeichnen. Einfach, weil man sie im Westen trotz ihrer enormen Bekanntheit im Osten noch nicht kennt. Das wollen wir ändern.

erzählt Mamuka Bliadze

In Zukunft wird die Galerie neben Positionen aus dem 20. Jahrhundert auch zeitgenössische junge und etablierte internationale Künstler zeigen. Ein Fokus ist dabei die georgische Kunstszene, Mamuka Bliazde ist hier Experte.

Die Salons der Galerie Kornfeld

Die drei Galeristen sind fest entschlossen, wenn auch weniger wilde, Wiederholungen ihres Eröffnungsfestes stattfinden zu lassen. In der Galerie Kornfeld soll nicht nur Kunst verkauft werden, sie soll auch als Treffpunkt für intellektuelle Köpfe dienen, die mühelos vom Salongespräch am Kamin zum Avocado-Salat in der weitläufigen Küche der Collection gleiten. Man wird in kleiner Runde  über Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft sprechen. Austausch statt Networking in großem Stil wünscht sich Freddy Kornfeld.

Galerie Kornfeld

Damit knüpfen die drei an die Tradition der Fasanenstraße 26 an. Hier residierte früher der Suhrkamp Verlag und lud regelmäßig zu literarischen Salonabenden ein. Als ich frage, ob es denn die Idee von Galerie plus Salon, nicht schon zuhauf in Berlin gebe, kommt die Antwort rasch:

Wir sind nicht die 515. Galerie in Berlin, sondern die eine für unsere Kunst, unsere Künstler und unsere Gäste.

entgegnet mir Freddy Kornfeld und lächelt.

Galerie Kornfeld: Aktuelle Ausstellung

Die Ausstellung „Iankoshvili“ läuft noch bis zum 8. September 2012
Öffnungszeiten und weitere Künstler finden sich auf der Galerie Kornfeld Webpage

ARTberlin portraitiert die interessantesten neuen und etablierten Galeristen und ihre Galerien in Berlin.

Fotos: Winifried Veil