Rodel Tapaya

Künstlerführer Berlin 

Rodel Tapaya

Rodel Tapaya verbindet in Gemälden wie Chocolate Ruins und The bird that leaves the nest traditionelle Sagen und Legenden mit der zeitgenössischen Lebenswelt.

Rodel Tapaya: Steckbrief zum Künstler

Kunstprofil 

Rodel Tapaya schafft fantastische Welten, die nahtlos traditionelle Mythen und Legenden mit unserer modernen Welt verbinden. Alte Götter, Geister, Riesen und Sagengestalten kommentieren die Veränderungen der Gesellschaft. Fakt und Fiktion, Geschichte und Legende gehen bei Tapaya ineinander über.

Medien

  • Gemälde

  • Skulpturen

Kurzprofil zum Künstler

Tapaya wurde 1980 in der Nähe von Manila geboren. Er entschied sich schon in seiner Jugend, eine künstlerische Richtung einzuschlagen. Der Gewinn des hochdotierten Nokia Art Awards ermöglichte ihm intensive Studien an renommierten Kunsthochschulen. Tapaya hatte Soloausstellungen in Berlin, Peking, Hongkong, Tokyo, Singapur und Manila und hat nach dem Nokia Art Awards zahlreiche weitere Preise gewonnen.

Galerie in Berlin

ARNDT Berlin

Rodel Tapaya – Unser erster Eindruck

Ein riesenhafter, grimmig dreinschauender Vogel breitet seine Schwingen aus und erhebt sich in die Lüfte. Dschungelpflanzen mit großen Blättern ranken sich empor, eine Mauer mit drei schwarz gekleideten Männern, die einen Heißluftballon halten, der winzig ist, im Gegensatz zu dem Vogel, der sich über ihm aufschwingt. Maskenhafte Gesichter, Fäden, die sich von Punkt zu Punkt im Hintergrund spannen, ein Dämon mit Wildschweinkopf, feengleiche, durchscheinende Geschöpfe. Verlockende Farben und dynamische Figuren. Rodel Tapaya entführt den Betrachter in eine Märchenwelt, in kunstvoll verwobene Symbolik und verworrene Geschichten, in denen man sich verfangen möchte.

Der Märchenerzähler

Tapaya, Jahrgang 1980, gehört aktuell zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen philippinischen Kunst. Er hat bereits zahlreiche namhafte regionale Kunstpreise gewonnen und hatte viele internationale Einzelausstellungen. In der Ateneo Art Gallery, einer der wichtigsten Institutionen für zeitgenössische Kunst auf den Philippinen wurde ihm die große Einzelschau Bato Balani gewidmet. Das große Interesse an Tapayas Kunst rührt wohl nicht zuletzt daher, dass sein Werk weit über die verzaubernde Malerei hinausgeht. Tapaya ist ein Geschichtenerzähler. Kunstvoll verwebt er traditionelle Motive aus folkloristischen Mythen und Sagen mit unserer modernen Lebenswelt. Dabei spielt in seinen Bildern nicht die Metropole eine Rolle. Der Betrachter wird in unwegsame Dschungel geleitet, in denen sich Anspielungen auf die moderne Welt ebenso verloren fühlen, wie der Betrachter es tut. Alte Weisheiten kommentieren unsere moderne Gesellschaft. Tapaya beschäftigte sich über acht Jahre intensiv mit den alten überlieferten Legenden seiner Heimat. Bevor er seinen für ihn nun prägnanten Stil fand, malte er unter modernen Einflüssen. Inzwischen bringt er Vergangenheit und Gegenwart mühelos in seinen fantastischen Welten zusammen.

The Chocolate Ruins

Rodel Tapaya: The Chocolate Ruins

Eine seiner aktuell zentralen Arbeiten ist das überdimensionierte Gemälde The Chocolate Ruins. Vor diesem über drei mal sieben Meter großen Werk mit seiner fantastischen Welt kommt man sich klein und unbedeutend vor. Die Arbeit entzieht sich einer eindeutigen Interpretation. Tapaya mischt thematisch verwandte Motive mit einer weitverzweigten Kombination aus Unruhe und Ironie. Alle Motive sind durch Teile einer Kakaopflanze miteinander verbunden. Quer über die Leinwand entstehen so drei sich überlappende Bildsegmente, die auf je eine große Katastrophe Bezug nehmen, die die Philippinen in jüngerer Vergangenheit heimgesucht und verheerenden Schaden angerichtet hat: ein Erdbeben Stärke 7,2, der Supertaifun Haiyan und der Skandal um die verbreitete Zweckentfremdung öffentlicher Gelder. Die Schokolade ist hier eine Metapher für die Dinge, die die Menschen korrumpieren – Geld, Schönheit und auch Traditionen. Zudem ist die Kakaopflanze eine Anspielung auf die große Rolle, die Kakao als Rohstoff für die Verheißungen und den Niedergang der Kolonialherrschaft Spaniens über die Philippinen gespielt hat. Weitere wichtige Elemente des Werks bilden Gewitterwolken, Gesichter, scheinbar hilflos umherirrende Menschen, Teile von Notunterkünften, Reste von Kirchtürmen und Ruinen. Tapaya konzentriert sich auf den Kontext der Ereignisse. Er bedient sich unerschöpflicher Symbole und Mythen, die eigentlich schon längst ebenfalls zu Ruinen nationaler Identität geworden sind.

Sein Werk

Tapaya macht sich auf die Suche nach dem Pfad im Dickicht von Sagen und Legenden, Geschichte und Tradition. Fakt und Fiktion werden bei ihm poetisch vermischt. Er ist ein erzählender Maler, der moralische Geschichten vermitteln will. Dafür nutzt er eine prägnante visuelle Sprache und das Spiel mit Assoziationen, das ausgelöst wird durch ein Nebeneinander unterschiedlichster Elemente. Alte Götter und Feen erscheinen bei Tapaya als geisterhafte Wesen. Sie suchen unsere Zivilisation heim – oder sind wir nur zu Gast in ihrer Welt? In jedem Fall haben die Geister, Götter und Riesen die Herrschaft inne, wirken aber auch immer so, als gehörten sie nicht wirklich dazu. Unser westlich geprägtes kulturelles Gedächtnis mag sich bei der Betrachtung von Tapayas Bildern an Hieronymus Bosch erinnert fühlen – allerdings muten Tapayas Welten weniger brutal an, das Unheimliche ist hier subtiler. Unverkennbar ist zudem der Einfluss des lateinamerikanischen Magischen Realismus.  Diesem Genre verwandt, wird die unheimliche Atmosphäre von Tapayas Arbeiten durch die irdische Einbettung der verzauberten Welten erhöht. Dabei ist die surreale Qualität der Bilder so beharrlich, dass man das Gefühl bekommt, die Realität, die der Künstler vermittelt, könne eine alternative Realität sein – ein Ort, an dem Geschichte und Fabeln sich nahtlos neben die Jetztzeit stellen.

Rodel Tapaya: EaglesRodel Tapaya: Galerie ARNDT-Berlin

Like a bird that leaves its nest

Tapayas ganz eigene Note besteht nicht nur in der Kunst, Realität und Fiktion zu verweben, sondern nicht zuletzt in immer wiederkehrenden Elementen und Motiven. Auffällig sind beispielsweise die großen Vögel und fliegenden Wesen und Objekte. Anhand des Gemäldes Like a bird that leaves its nest is a man who leaves his home lässt sich Tapayas Symbolik des Fliegens vielleicht am deutlichsten erkennen. Der Flug steht für Selbstbehauptung, den Weg hinaus aus der Komfortzone, der nötig ist, um Lebensziele zu erreichen. Doch dieser Flug muss nicht immer gut ausgehen. In seiner Installation Modern Manananggals lässt Tapaya den Mythos von Wesen lebendig werden, die am Tage als gewöhnliche Menschen auftreten und bei Nacht den Torso vom Unterleib trennen und sich mit Hilfe von Flügeln, gleich denen von Fledermäusen, auf die Suche nach Opfern begeben. Der Unterleib führt derweil ein Eigenleben. Wird er bei Sonnenaufgang nicht wieder mit dem Oberleib vereint, stirbt das seltsame Wesen. Wer den Unterkörper eines Manananggals findet, der kann die Wiedervereinigung verhindern, indem er Salz darauf streut. Tapaya transferiert diesen Mythos in die Neuzeit, indem er seinen Manananggals mit Hartschalenkoffern auf die Reise schickt. Das Bild dieser zweigeteilten Menschen steht symbolisch für vieles in unserer modernen Lebenswelt. Der beflügelte Rumpf macht sich auf den Weg zu zahlreichen Möglichkeiten, doch was passiert mit den Wurzeln? Entfremdung, Furcht, Verlust des Selbstkontakts.

Mit Netz und doppelten Boden

Ein weiteres verbindendes Element vieler seiner Gemälde ist ein Netz, das sich zwischen Punkten bildet und mal mehr und mal weniger im Hintergrund ist. Mal erinnert es an ein Spinnennetz, mal scheint es unvollständig und gleicht eher der graphischen Darstellung von Sternzeichen. Zum einen ist es verbindendes Element innerhalb der einzelnen Gemälde und durch seine Wiederkehr auch gleichzeitig eine Verbindung zwischen den verschiedenen magischen Welten, die Tapaya entwirft. Was genau es bedeutet, wofür diese Linien stehen, ist nicht eindeutig. Möglicherweise sind sie lediglich Mittel zur Strukturierung. Doch vielleicht gehen sie tiefer. Tapaya glaubt an ein Leben nach dem Tod, den doppelten Boden, der einen nach dem irdischen Leben auffängt. Er glaubt daran, dass es Welten gibt, die wir nicht wahrnehmen und an Kräfte, die dort wirken. Vielleicht stehen diese verbundenen Linien auch hierfür, für die Verbindung zwischen dem, was wir sehen können und dem, was nicht sichtbar ist.  Vielleicht sind sie das Netz, das alles auffängt. Vielleicht verbinden sie nicht nur Elemente und Bilder, vielleicht stehen sie auch für die Verbindung zu dem, was nicht einmal ein fantasiebegabter Künstler wie Tapaya zu visualisieren vermag.

Rodel Tapaya: Galerie ARNDT-BerlinRodel Tapaya: Ausstellung bei ARNDT

Biographie 

Rodel Tapaya wurde 1980 in Montalban, Rizal geboren. Der Gewinn des hochdotierten Nokia Art Awards war der Beginn seiner Karriere. Er ermöglichte es ihm, Zeichen- und Malerei-Kurse an der Parsons School of Design in New York und der University of Art and Design in Helsinki zu belegen und dort intensive Studien zu betreiben, bevor er schließlich am College of Fine Arts der University of the Philippines erfolgreich seinen Abschluss absolvierte. Schnell stellte sich auch internationaler Erfolg ein. Tapaya hatte Soloausstellungen in Berlin, Peking, Hongkong, Tokyo, Singapur und Manila. Zudem war er in verschiedenen internationalen Kunstmessen und Ausstellungen vertreten. In Singapur ist er bekannt als Gewinner des prestigeträchtigen Asia-Pacific Breweries Foundation Signature Art,der ihm 2011 vom Singapore Art Museum vergeben wurde. Seit 2008 arbeitet und lebt Tapaya in der philippinischen Provinz Bulcan.

Ausgewählte Solo-Ausstellungen von Rodel Tapaya

  • 2014 The Chocolate Ruins, ARNDT, Berlin, Germany
  • Bato-Balani, Ateneo Art Gallery, Quezon City, Philippines
  • 2013 The Ladder To Somewhere, ARNDT, Singapore
  • 2012 Wada Fine Arts, Tokyo, Japan
  • Deities, West Gallery, Quezon City, Philippines
  • Cloudland, Art Hongkong, Hongkong
  • 2011 Visions of Lore Galerie Caprice Horn, Berlin This Beast I Have Become, Y++ Gallery, Beijing
  • 2010 Bulaklak ng Dila [Flowers of the Tongue], Vargas Museum, UP Campus Diliman, Quezon City, Philippines Memory Landscapes, The Drawing Room, Makati City, Philippines
  • 2009 Mythical Roots, SOKA ART Center, Beijing Diorama, The Drawing Room, 1007 Metropolitan Ave., Makati City, Philippines
  • 2008 Into the Forest, Utterly Art and The Drawing Room, 229A South Bridge Road Level 2, Singapore FOLKgotten, The Drawing Room, 1007 Metropolitan Ave., Makati City, Philippines
  • 2007 Perya, Boston Gallery, Cubao, Quezon City, Philippines Mapapel, The Drawing Room, Makati City, Philippines
  • 2006 Parables, Utterly Art and The Drawing Room 229A South Bridge Road Level 2, Singapore Looban, Boston Gallery, Cubao, Quezon City, Philippines Tauhan, Big and Small Art Co. Mandaluyong, Philippines
  • 2005 Lunan, Boston Gallery, Cubao, Quezon City, Philippines Recent paintings, Big and Small Art Co. Mandaluyong, Philippines
  • 2004 Balangkas, Boston Gallery, Cubao, Quezon City, Philippines

Ausgewählte Auszeichnungen

  • 2011 Asia Pacific Breweries Signature Art Prize Grand Winner Singapore
  • 2010 Short-listed Ateneo Art Awards: Shattering States
  • 2007 Finalist for NCR Region, Philip Morris: Philippine Art Awards
  • 2006 Short-listed Ateneo Art Awards: Outbound
  • 2005 Short-listed, Ateneo Arts Awards
  • 2003 One of the 50 semi-finalists, Philip Morris: Philippine Art Awards
  • 2001 Grand Prize, Nokia: Arts Awards Asia Pacific (International level, held at Seoul Korea)
  • 2000 One of the 5 finalists, Nokia: Arts Awards Asia Pacific
  • 1999 Finalist, Shell: National Students Art Competion (watercolor category)

Artist Residency

  • March – April 2008 Vermont Studio Center, Vermont, USA

Text: Michaela Gross / Fotocredit ganz oben: MM Yu / alle anderen Fotos: Courtesy ARNDT Berlin