dOCUMENTA (13): Erobert Kassel – mit allen Sinnen! Die Highlights

Kunst Guide: dOCUMENTA 2012 

dOCUMENTA (13): Erobert Kassel – mit allen Sinnen! Die Highlights

Die 13. dOCUMENTA in Kassel ist ein Must See im Kunstherbst 2012. Aber wo anfangen? ARTberlin hat die Highlights zusammengestellt. Wartet nicht zu lang, die dOCUMENTA endet am 16. September 2012.

dOCUMENTA: Geoffrey Farmer

Weitläufig ist sie, die dOCUMENTA (13)…

Über die Stadt Kassel verteilt zeigt die Kunst sich an über einem Dutzend Orten. Von Kunstwerken an ausrangierten Gleisen über das Brüder Grimm Museum bis zur wunderbaren Karlsaue gibt es viele Höhepunkte. Gemälde und Fotografien sucht man darunter meist vergeblich, dafür findet man Vielfalt und Inspiration. „Collapse and Recovery“ – „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ – ist das Leitmotiv dieser Weltkunstschau. Die Chefkuratorin der dOCUMENTA Carolyn Christov-Barkagiev empfiehlt bei einem Vortrag den Besuchern der Ausstellung: „Auslassen, auslassen, auslassen!“ Was man allerdings nicht auslassen sollte, haben wir zusammen getragen.

dOCUMENTA: Alter-Bahnhof-VideowalkdOCUMENTA: Videowalk

dOCUMENTA Highlight 1: Janet Cardiff und Georges Bures Miller

Zwei Arbeiten, die Gänsehaut machen: Die Installation „for a thousand years“ und „Alter Bahnhof Video Walk“. Die erste befindet sich auf einer Lichtung im Auenpark, wir sitzen im Wald und hören ein komplexe Audiokomposition, sphärisch, kathedralenartig wirkt die Natur. Als wir gehen ändert sich die Szene: Bombenhagel aus Lautsprechern. Da will  man nur noch laufen und zwingt sich, nicht panisch zu werden.
Die zweite Arbeit ist eine Hörführung im Kulturbahnhof. Auf dem Spaziergang öffnet sich eine andere, alte Welt, Realität und Fiktion vermischen sich, denn der wir befinden uns immer genau dort, wo das Bildmaterial gedreht wurde: „Körperkino“ heißt das.

dOCUMENTA: William Kentridge

dOCUMENTA Highlight 2: William Kentridge

Ganz hinten in einer dunklen Halle zeigt der Südafrikaner William Kentridge seine Animationsfilme. Die Themen sind die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Südafrika – die Überzeichnungen und Löschungen in seinen Filmen legen Spuren. Der neunminütige Film „Shadow Procession“ zeigt einen grotesken Festzug beladener, behinderter Gestalten. Gespenstisch.

dOCUMENTA: Tino Sehgal

dOCUMENTA Highlight 3: Tino Seghal

In einem Hinterhofzimmer ist es dunkel, stockfinster. Viele Menschen, summen, singen, schnippen im Takt. Freundlich, aber auch unheimlich. Die Tänzer singen „Good Vibrations“ von den Beach Boys – aber so lange habe ich es in dem dunklen Raum ohne Orientierung gar nicht ausgehalten. Von Tino Seghals Arbeiten – die er selbst „Situationen“ nennt – gibt es keine Bilder, es bleibt nur die Erinnerung.

dOCUMENTA Highlight 4: Ceal Floyer

Auch Floyer ist mit zwei Arbeiten dabei. Die Performance „Nail Biting“, in dem die Künstlerin mit dem englischen Ausdruck für eine aufregende Darstellung spielt und vor Zuschauern an ihren Nägeln kaut, haben wir nicht gesehen. Die Soundarbeit „Til I Get It Right“ im Fridericianum lässt Verzweiflung und Scheitern durch Repetition spüren. Den Text eines Songs hat Floyer zu einer Endlosschleife zusammen geschnitten. „I’ll just keep on /’til I get it right“ melodisch und sanft im Sprechgesang klingt nach der zwanzigsten Wiederholung verzweifelt, verzweifelter, am verzweifelsten.

dOCUMENTA Highlight 5: Omar Fast

Omar Fast dreht einen Film und verstört mit Ungereimtheiten und Skurrilem. Was macht das Kamel auf der verschneiten Landstraße in Brandenburg? Warum küsst die Mutter ihren Sohn viel zu heftig? Was ist im Kofferraum? „Continuity“, Fasts Beitrag, gezeigt in einer Holzhütte im Auenpark, beruht auf einem fiktiven Drehbuch. Ein deutsches Ehepaar mittleren Altern heuert junge Callboys an, die ihren Sohn spielen sollen, der als Soldat in Afghanistan getötet wurde. Surreal bis zum Horror.

Mehr Bilder und Kunststationen der dOCUMENTA

dOCUMENTA(13): Tickets & Öffnungszeiten

LAUFZEIT / bis zum 16. September 2012
ÖFFNUNGSZEITEN / täglich 10 – 20 Uhr
TICKETS / Tageskarte 20
http://d13.documenta.de/

Text & Fotos: Nina Fischer-Keese