Mogg & Melzer: Wir pöckeln die Pastrami selbst

Jüdische Küche 

Mogg & Melzer: Wir pöckeln die Pastrami selbst

Das Mogg & Melzer schickt sich an die besten Pastrami Sandwiches der Stadt zu servieren, residiert in der Jüdischen Mädchenschule und will die Deli Kultur in Berlin zeitgenössisch etablieren.

 Mogg & Melzer

Paul Mogg und Oskar Melzer konnten für die Eröffnung ihres Deli im Mai keinen besseren Platz als die ehemalige Jüdische Mädchenschule finden. Eingebettet zwischen Pauly Saal & Bar, dem jüdischen Restaurant Koscherer Classroom und vier publikumsstarke Galerien, ist das Mogg & Melzer mit Aufmerksamkeit und Image hervorragend ausgestattet und differenziert sich gekonnt charmant mit der einem Deli eigenen Lässigkeit.

Die beiden Besitzer, die eigentlich aus der Musik- und Clubszene kommen, haben sich ein Deli geschaffen, das ihnen selbstredent in Berlin, aber auch in NYC gefehlt hat. Auf der Karte stehen zwar gemäß Jüdischer Deli-Tradition Pastrami-Sandwiches, NY Cheesecake und Matzo Ball Soup, drumherum aber spielt das Interior mit Kunst, Vintage und Humor. Mein Wasser trinke ich aus einem schweren Kristallglas. Und es gibt Wein, auch das eher ungewöhnlich für ein Deli. Als Oskar sich zu mir an den Tisch setzt, erzählt er mir, dass er zwar vor kurzem gelernt hat Matzeknödel-Suppe zuzubereiten, aber trotzdem nicht in die Küche darf.

Oskar Melzer

Oskar, wo hast du gelernt Matzo Ball Soup zu kochen und was ist das eigentlich genau?
Das ist ein jüdisches Gericht. Matzo Balls sind eine Suppeneinlage, die aus Matzemehl, Eiern und Wasser besteht. Matzemehl essen Juden am Pessach Feiertag. An diesem Tag darf kein gesäuertes Brot gegessen werden, deshalb auch die Verwendung von Matze. Die Zubereitung des Gerichtes lernte ich vor kurzem von Regina Karolinski und Bella Katz, den beiden Hauptdarstellerinnen des Films Oma & Bella. Meine Freundin Alexandra Karolinski hat einen Film über die beiden jüdischen Frauen gedreht. Da hab ich sie gefragt, ob sie mir das nicht beibringen können.

Und jetzt darfst du auch mitkochen?
Nein, ich darf alles machen, nur nicht in die Küche gehen.

Wie kam es zu der Idee ein Deli zu eröffnen?
Ursprünglich kommen Paul und ich aus der Musikwelt. Paul war DJ und Produzent. Ich habe auch aufgelegt und bin Clubbesitzer. Ich wollte raus aus dem Nachtleben und was Neues machen. Das war ein Grund. Ich hatte aber auch einfach Lust einen Pastrami-Laden zu eröffnen. Das war schon seit langem ein Wunsch von mir.

Mogg & Melzer DeliSelbstgemachter Krautsalat und Gurke zum Pastrami-SandwichMogg & Melzer Interieur

Gab es für dich Delis in New York oder L.A., die dich inspiriert haben?
Tolle Delis sind für mich natürlich das Katz in New York, Langer’s in L.A. oder Schwarz’s in Montreal. Ich wollte trotzdem kein New York Deli kopieren.

Diese Delis sind teilweise 80 Jahre alt, es war nicht mein Ziel das nachzuahmen.

Die Idee war ein Deli zu eröffnen, das authentisch ist und trotzdem so, wie wir uns das in der heutigen Zeit vorstellen. Eigentlich wollten Paul und ich ein Deli eröffnen, das so ist, wie es uns gefallen würde. Wir interessieren uns für Design, wir interessieren uns für Kunst und das haben wir hier auch mit eingebracht.

Und wer von euch hat das Interior ausgewählt?
Paul und ich richteten das Deli zusammen ein. Ist ganz lustig, wie das entstanden ist. Alles ging von einem Tisch aus, den wir entdeckten und auf ebay ersteigerten. Er wurde von dem finnischen Designer Ilmari Tapiovaara in den sechziger Jahren gestaltet. Uns hat er so gut gefallen, dass wir die restlichen Möbel um diesen Tisch herum ausgesucht haben.

Neben mir steht eine Vitrine mit einem alten, ausgelatschten Converse Schuh. Gestaltet wurde das schöne Stück von Johannes Albers. An den Wänden hängen Fotografien von Sharon Lockart.

Convers in der Glasvitrine von Johannes AlbersMogg & Melzer Küche

Verrätst du uns wer bei Mogg & Melzer kocht?
Wir haben einen Koch aus New York, Joey. Er kennt sich natürlich mit dem amerikanischen Deli Essen sehr gut aus, das war uns wichtig.

Stimmt es, dass ihr fast alles auf eurer Karte selbst zubereitet?
Genau. Bei uns ist alles selbstgemacht. Das Brot, die Gurken, der Krautsalat, sogar die Pastrami. Sie muss vier Wochen in Salz gepökelt werden. Danach wird sie geräuchert, dann langsam erwärmt. Die gesamte Prozedur dauert vier bis sechs Wochen. Hätte ich vorher gewusst wie kompliziert und aufwendig das ist, hätte ich vielleicht doch lieber Pizza gemacht. Wir bereiten die Pastrami selbst zu, weil sie in Deutschland nur bei zwei Firmen erhältlich ist und das hat nichts mit der traditionellen Pastrami gemeinsam. Eine wirklich hohe Qualität des Fleisches, diese Frische und das intensive Aroma bekommst du nur, wenn du es selbst herstellst.

Sind eure Gerichte denn koscher?
Nein. Koscheres Essen gibt es im Kosher Classroom, hier allerdings nicht. Ich bin zwar mit den jüdischen Traditionen aufgewachsen, bin aber selbst kein religiöser Mensch.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?
Wir sind gerade dabei ein Mogg & Melzer Deli in Frankfurt zu eröffnen. Außerdem wird Alexandra Karolinski, bei uns am Donnerstag im Deli ihr Kochbuch vorstellen. Ihr seid alle herzlich eingeladen!

Dank Dir, Oskar.

ARTberlin stellt die Restaurants und Bars der Berliner Kunstszene vor. Bisher besprochen: ThemrocCafé OlivOukanGrill RoyalSale e TabacchiFlamingo Berlin, Bar 3 und Katz Orange

Text: Linda Pacher / Fotos: Winfried Veil