STEFAN STRUMBEL: What the fuck is Heimat

 

STEFAN STRUMBEL: What the fuck is Heimat

Ein Treffen mit Stefan Strumbel, erfolgreicher deutscher Pop Art Künstler, in der Circle Culture Gallery Berlin. What the fuck is denn nun Heimat, Mr Strumbel?

Stefan Strumbel

STEFAN STRUMBEL – POP ART PREMIERE AN DER OPER STUTTGART

Als sich der Vorhang zur Neuinszenierung von Puccinis „La Bohème“ in der Stuttgarter Oper schloss, war nicht nur eine erfolgreiche Premiere zu Ende, sondern auch jemand im Publikum sehr glücklich. Der junge deutsche Pop Art Künstler Stefan Strumbel (35) hatte zum ersten Mal das knallige ästhetische Feuerwerk seines Bühnenbilds im Zusammenspiel mit der Lichtkunst, dem Gesang, den Kostümen und der Präsenz der Opernsänger erlebt.  

Strumbel schreckt zwar nicht davor zurück eine ganze Kirche mit seiner Kunst neu zu gestalten (2011) , aber für die künstlerische Konzeption und Umsetzung des Bühnenbilds war es auch für ihn eine Premiere gewesen. Ein Jahr lang hat sie ihn eng mit dem Team der Oper Stuttgart zusammen arbeiten und wachsen lassen.

Es macht mich heute noch glücklich, wenn ich daran denke. Das Team der Oper, vor allem die Regisseurin Andrea Moses und Moritz Lobeck haben mich wahnsinnig gut abgeholt und in das Thema der Oper reingebracht.

Und so hat Stefan Strumbel das Stück aus dem Jahr 1895 in einen mit Graffiti besprühten Container verlegt, einen überdimensionalem Weihnachtsbaum mit wahlweise Mercedes-Stern in Peace-Zeichen Optik dazu gepflanzt und aus einer Spätzlepresse pinkfarbene Spätzle tropfen lassen.

Stefan Strumbel m ARTberlin Interview

WHAT THE FUCK IS HEIMAT – BERLIN CIRCLE CULTURE GALLERY

Wir machen es uns mit Strumbel auf einem Steinblock vor dem metallenen Tor seiner Galerie in Berlin gemütlich machen. In den großen Hallen der Circle Culture Gallery hängt und steht bereits „What the fuck is Heimat“ – seine neuste Einzelausstellung in Berlin und gleichzeitig die erste Publikation von Stefan Strumbel, die letzten Freitag eröffnet bzw. vorgestellt wurde und zur Berlin Art Week laufen wird.

Neben der Mülltonne aus Bronze, die man als den geheimen Star der Ausstellung handeln darf, und den lila-orangenen Kuhglocken seiner „Broken Bells“ Installation, sind im langen Raum der Galerie unter anderem ehemalige Nonnenkoffer verstreut. Auf ihnen hat Strumbel in altmodischer Schreibschrift Werte wie „Liebe“ und „Glück“ gemalt.

Allesamt Dinge, die man nicht aufbewahren kann. Wie das Gefühl von Heimat eben.

Das Thema, das Strumbels Werk von Leinwand über Installation bis Skulptur durchdringt.

Stefan-Strumbel-HeimatStefan Strumbel: Circle Culture Gallery

In quietsch bunten Pop Art Farben bearbeitet Stefan Strumbel Kuckucksuhren, Bambis und Kuhglocken. Die Devotialien seiner Heimat, dem Schwarzwald. Oder sagen wir lieber „Kulturgüter“. Er spielt mit Werten und deren Zerfall. Mit dem Verlust von Bräuchen und Traditionen, die wir verloren haben, während wir uns durchglobalisieren und ständig suchen.

Da bekommt auch schon mal ein abgehakter Schweinefuß eine Rolex umgehängt. Und die Kuckucksuhr einen „Swoosh“  aus einem Mix von „Frischer Wind Menthol“ (2014). Karl Lagerfeld ist Fan. Wahrscheinlich aber nicht vom Schweinefuß.

Stefan Strumbel: Publikation What the fuck is Heimat

HEIMAT IST DOCH NICHT NUR EIN ORT

Stefan, hast du denn manchmal Heimweh?

Ja, ich kenne das Gefühl. Und Fernweh auch…

Du stehst inzwischen für DEN Pop Art Heimat Künstler – Schränkt dich das manchmal ein?

Nein, das Thema fasziniert mich. Die ganze Welt verbindet Heimat immer mit Idylle. Aber Heimat ist doch nicht nur ein Ort, es ist das Gefühl, nachdem du dich sehnst.

Meinst du, du wirst irgendwann mal aufhören dich in deiner Kunst damit auseinanderzusetzen?

Wenn ich das Werk geschaffen habe, welches das Gefühl von Heimat zu 100% erzeugt, dann wäre es mein Letztes.

Du wirst immer gefragt warum du in Offenburg, im Schwarzwald deiner Heimat, wohnen geblieben bist. ..

Ja. Für mich ist es ein Luxus so zu leben wie ich lebe. Alle zwei Wochen reise ich in durch die Welt und sammle Inspiration. Die Ruhe, die Natur Zuhause lässt mich diese verarbeiten und nutzen. Und so bringe ich den Wald in die Straße und die Straße in den Wald.

Stefan Strumbel

So bist du auch auf die Nonnenkoffer gestoßen?

Ich habe sie bei der Auflösung eines Klosters im Schwarzwald entdeckt und habe mich sofort in sie verliebt. Die Nonnen haben darin ihr gesamtes Hab und Gut verstaut, wenn sie von einem ins nächste Kloster gezogen sind. Ich war sofort davon angezogen

Sind das Werte nach denen du lebst?

Ich versuche es, sagt er und lacht.

Mit der bronzenen Mülltonne arbeitest du erst zum zweiten Mal mit Bronze. Was reizt dich an dem Material?

Seine Beständigkeit. Die Mülltonne wird definitiv unsere Generation überleben.

Wo zieht es dich hin? Was wirst du in naher Zukunft machen?

Ich habe im letzten Jahr durch die Arbeit an der Oper Stuttgart viel im Innen gearbeitet. Jetzt will ich wieder mehr im Außen machen. Meine Kunst vor allem Skulpturen wieder mehr in die Öffentlichkeit bringen. Ohne Zugangsbeschränkung, ohne Öffnungszeiten.

Hast du noch eine Frage an dich selbst?

Ja: What the fuck is Heimat?!

Dank Dir Stefan.

Interview: Eva Kaczor // Fotos: Tobias Laukemper für ARTberlin

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AUSSTELLUNG – CIRCLE CULTURE GALLERY

„What the fuck is Heimat“ läuft noch bis zum 1. 11. 2014 in der Circle Culture Gallery.

Circle Culture Gallery // Potsdamer Strasse 68 // 10785 Berlin 
Öffnungszeiten: Di 14 – 18 Uhr // Mi – Sa 12 – 18 Uhr
Verlängerte Öffnungszeiten zur Berlin Art Week, (17. – 21. Sep 2014(: Mi / Do 11 – 18 Uhr // Fr 11 – 22 Uhr // Sa / So 11 – 18 Uhr

Die Neuinszenierung der Oper La Bohème läuft noch bis in den Dezember 2014 in der Stuttgarter Oper. Hier geht es zum Spielplan 

BIOGRAFIE ZU STEFAN STRUMBEL

Stefan Strumbel wurde 1979 in Offenburg/Baden geboren. 1993 entdeckte er seine Leidenschaft und sein Talent für Graffiti, was ihn 1996 das erste Mal in Schwierigkeiten mit der Justiz brachte. Ab 2001 entschied sich Stefan Strumbel als freischaffender Künstler zu arbeiten, und wurde 2007 mit zwei Stipendien ausgezeichnet. In seinen Werken überzeichnet er Kultur- und Kultgegenstände wie Kuckucksuhren, Holzmasken oder Kruzifixe mit Stilelementen der Street- und Pop-Art und stellt sie in einen neuen, teils provokanten Kontext.
2011 gestaltete Strumbel den Innenraum der 1964 eingeweihten katholischen Kirche Maria, Hilfe der Christen des Ortes Goldscheuer.

// Wichtige Einzelausstellungen (Auszug): Kunstverein Hamburg (2012), Badisches Landesmuseum Karlsruhe (2012), Galerie Springmann Düsseldorf (2011), Circleculture Gallery Berlin (2010).

// Wichtige Gruppenausstellungen (Auszug): art Karlsruhe (2013), Circleculture Gallery Hamburg (2013), Circleculture Gallery Berlin (2011), Phillips de Pury London (2010), Halle 02 Heidelberg (2010), Vicious Gallery Hamburg (2010), EXPO 2010 Shanghai (2010)