PHILOMENE MAGERS

GALERISTEN IN BERLIN 

PHILOMENE MAGERS

Philomene Magers, Mitbegründerin von Sprüth Magers, zählt zu den einflussreichsten Galeristinnen. Ein Gespräch in ihrem Zuhause über den Online Kunstmarkt, wie man 50 große Künstler glücklich macht und das Gucci-Modell von Top-Galerien.

Philomene Magers

ZUHAUSE BEI PHILOMENE MAGERS

Monika Sprüth und ich haben die Vorstellung, dass sich die Künstlerkarriere langsam entwickeln sollte. Und ich habe Künstlern gegenüber das Gefühl des Schützenwollens.

Das sind zwei der ersten Sätze, die ich von Philomene Magers lese, als ich unser Interview kurz vor dem Gallery Weekend Berlin 2013 vorbereite. Zwei Aussagen, die Sprüth Magers seit 15 Jahren im Kunstmarkt ganz oben mitspielen lassen. Zusammen mit Monika Sprüth vertritt die Galeristin mit Sitz in Berlin und London aktuell 50 Künstler, darunter Andreas Gursky, Cindy Sherman, Ed Ruscha und Thomas Demand. Man kann verlässlich behaupten, dass sich unter dem Schutzschirm der Galerie ein guter Teil der wichtigsten zeitgenössischen Künstler tummelt – und der Galerie seit Jahren treu bleibt.

Ich mache mich gefasst auf ein heftiges Ping Pong Gespräch und habe gehörig Respekt vor dem Kunstwissen der Galeristin als ich auf den Klingelknopf an der dunkelroten Backsteinvilla in Berlin Zehlendorf drücke. Als ich ihr im Garten ihres Zuhauses gegenüber sitze, verläuft unser Gespräch bei grünem Tee und Pistazienküchlein unerwartet leichtfüßig. Philomene Magers mag auf dem Papier ein Schwergewicht im Kunstmarkt sein, ihre Präsenz ist jedoch von jener spielerischen Leichtigkeit, die Menschen besitzen, die sich Neugier, Offenheit und eine gewisse Wertungslosigkeit im Betrachten der Dinge bewahrt haben.

Ich muss gleich nachher meinem Sohn helfen die Spotify-Playlist wiederzufinden, ich habe die irgendwie gelöscht, was nicht so gut ankam, beginnt sie unser Gespräch.

Philomene MagersPhilomene Magers       

PHILOMENE MAGERS ZUM ONLINE KUNSTMARKT

Wie mag die Galeristin wohl zur Veränderung des Kunstmarkts stehen, die sich aktuell mit dem rasanten Wachstum von digitalen Verkaufsplattformen anbahnt? Die u.a. von Google CEO gegründete Kunst-Suchmaschine art.sy hat inzwischen 130.000 User aus 186 Ländern und verkauft Arbeiten von 5.500 Künstlern – darunter große Namen und in Kooperation mit Museen und global bekannten Galerien. Bei artspace ist die Gursky Edition zu SIEDLUNG ESSEN für 9.000$ zu haben.

Ist das der ultimative Angriff auf das Gefühl des Schützenwollens und der Vorstellung der gezielt langsamen Entwicklung von Künstlerkarrieren?

Ich schaue mir genau an, was sich gerade auf dem digitalen Kunstmarkt tut. Wir haben gleich (und auch nur) im ersten Jahr bei der VIP ART FAIR mitgemacht und ja auch die Sprüth Magers IPAD App gelauncht. Ich selber habe im Netz eine Marmorskulptur von Jenny Holzer gekauft. Einfach weil der Preis so gut und es eine wichtige Arbeit war. Dabei war ich die ganze Zeit über fürchterlich nervös. Was wäre, wenn die Arbeit nicht heil hier angekommen wäre?

In meinen Augen funktioniert der Kunstverkauf im Internet für Grafik und Editionen, aber nicht für richtig teure Kunst und Originalwerke. Auch, weil ich als Galeristin wissen möchte, wo die Arbeit hängen wird.

SELBSTVERSTÄNDNIS ALS GALERISTIN

Wir schauen uns ganz lange an, ob wir mit einem Künstler zusammen arbeiten wollen und wir wünschen uns auch, dass der Künstler für sich sorgfältig prüft, ob er mit uns arbeiten will. Es braucht diese Sicherheit, dass man sich lange gut versteht. Es ist ja eine unheimliche Verantwortung, die man da übernimmt.

Bei Sprüth Magers arbeiten 75 % der Mitarbeiter mit den Künstlern, während sich der kleinere Teil um den Sales kümmert. Das ist genau anders herum bei den meisten Galerien, die ich kenne. 

Philomene MagersPhilomene Magers: Arbeit aus ihrer SammlungSprüth Magers

PHILOMENE MAGERS: ICH BEKENNE MICH ZU BERLIN

Als Berlin zur Stadt der Künstler wurde, war meine erste Reaktion: Supertoll, wir gehen nach Berlin! Aber je mehr ich zusah wie Berlin als Nabel der Welt für den Kunstmarkt gelobt wurde, desto unsicherer wurde ich. Mir gefiel diese Haltung nicht, die ich schon aus Köln kannte, zumindest bis die Stadt von London abgelöst wurde. Auch deswegen haben wir dem Umweg mit der Galerie über München gemacht und natürlich auch, weil dort irrsinnig viele Sammler leben.

Heute bekenne ich mich voll und ganz zu Berlin. Es geht doch darum, dort zu sein, wo der kritische Diskurs stattfindet. Und der ist eben in Berlin, wo viele Künstler leben wollen und können. Berlin ist für mich eine Insel für Intellektuelle im superglobalen Kapitalismus. Ich brauche die Auseinandersetzung mit meinen Freunden, die Kunst, Theater, Literatur machen. Ich will die Galerie nur machen, wenn ich daraus einen geistigen Zugewinn ziehen kann.

WIE WICHTIG IST DAS GALLERY WEEKEND FÜR BERLIN?

Wichtig. Wir sind zum ersten Gallery Weekend gerade zu überrollt worden von Besuchern. Da waren wir gerade erst vier Monate mit der Galerie in der Stadt.

BRAUCHT BERLIN EINE NEUE KUNSTMESSE?

Philomene Magers ist eine der Mitbegründerinnen des art forum berlin – jene Berliner Kunstmesse, die sich im  vorletzten Jahr wieder zurückzog. Es ging um Termine, Konkurrenz und Präsentationsmöglichkeiten.

Das art forum war nicht verkehrt, aber man muss auch sehen, in wieweit es sich im Bereich der projektierten Hoffnung bewegt hat. Warum sollte man als global agierender Sammler zwei Mal im Jahr nach Berlin kommen? Ganz strategisch betrachtet – wieviel Platz und Motivation bleibt im Kalender eines Sammlers noch nach der ART BASEL in Basel, Miami und Hongkong, neben Frieze, Fiac, Art Cologne und vielleicht Sao Paolo? Dann hat er doch schon sein Pulver zerschossen.

WELCHE FORM MÜSSTE DAS ART FORUM BEKOMMEN, UM ERFOLGREICH ZU SEIN?

Es müsste sich auf jüngere Positionen konzentrieren und Stände zu Preisen anbieten, die sich auch jüngere Galeristen leisten können. Und damit relevant für die neue Sammlergeneration werden. Die abc macht da schon vieles richtig. 

Auch die Idee hinter der BERLIN ART WEEK, neben der abc, ein Programm mit großen Ausstellungen in den Museen zu etablieren, macht Sinn.

WOHIN GEHT ES FÜR SPRÜTH MAGERS?

Uns ist es wichtig präzise zu sein – und unseren Charakter aufrecht zu erhalten.
Das Supermarkt-  oder GUCCI-Modell, sprich zur globalen Marke zu werden und in allen strategisch wichtigen Kunstmetropolen einen Laden aufzumachen, passt zu uns nicht. Auch, wenn es im Moment zum stilbildenden Galeriekonzept zu werden scheint, dem viele nacheifern.

Danke, Philomene.

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AKTUELLE AUSSTELLUNGEN BEI SPRÜTH MAGERS BERLIN

GEORGE CONDO // APR 27 – JUN 22 2013
JOSEPH KOSUTH // APR 27 – SEP 07 2013
RICHARD ARTSCHWAGER // APR 27 – JUN 22 2013
Für alle Details empfehlen wir die Sprüth Magers Webseite

Interview: Eva Kaczor // Fotos: Graeme Vaughan