Berlinale Tag 3: Kulinarisches Kino oder Konzeptkunst zum Verschlingen.

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Berlinale Tag 3: Kulinarisches Kino oder Konzeptkunst zum Verschlingen.

Der Deutsche Filmpreis ist in greifbarer Nähe. Marcus Woeller hat sich angeschaut, was der Dokumentarfilm „El Bulli – Cooking in Progress“ über den legendären Chefkoch des El Bulli so alles kann.

Berlinale El Bulli

Die Selbstloseste aller Künste ist die Kochkunst. Das Objekt der kreativen Arbeit wird verschlungen, inkorporiert, mit wenigen Bissen einfach aufgegessen. Erst in der mechanischen Zerstörung des Kunstwerks, der Einspeichelung, enzymatischen Auflösung und Durchschmeckung seiner Komponenten kann es verstanden und ästhetisch erfasst werden. Kochen ist prozessorientiertes gestaltendes Handwerk und finale Destruktion inklusive. Conceptual art as ist best!

Ferran Adrià, Chefkoch im legendären El Bulli in der Nähe von Barcelona, immer wieder mit drei Sternen dekoriert, Initiator dessen was als Mokularküche mittlerweile im Mainstream der zwischen Chemiebaukasten und High-End-Food-Processing hantierenden Hobbychefs der neuen Bourgeoisie am Herd gelandet ist. Inzwischen distanziert sich der Katalane von dem Begriff, obwohl er kräftig davon profitiert hat.

Gleichwohl hat Adrià die Kochkunst wie wohl kaum einer seiner Kollegen seit Bocuse verändert. Sein Restaurant hat er im letzten Jahr geschlossen und in eine Stiftung zur Förderung der Esskultur umgewandelt. Der deutsche Filmemacher Gereon Wetzel hat ihn vorher noch besucht und den Arbeitszyklus seines Teams zwischen Kreation und Produktion begleitet. „El Bulli – Cooking in Progress“ kommt der Magie, von der Ferran Adrià beständig spricht, sehr nah. Schon allein deshalb, weil Wetzel nicht der Versuchung erliegt viel zu erklären. Die Kamera folgt einfach den Produkten, ob es nun Süßkartoffeln oder Kaninchenhirne sind und den Köchen, die sie verwandeln. Der Dokumentarfilm steht in der Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis 2012 und lief in der Reihe LOLA@Berlinale.

German Cinema – LOLA@Berlinale wurde für Fachbesucher der Berlinale konzipiert und gibt dieses einen Überblick über das, was die deutschen Filmproduktionen im Moment zu bieten haben. LOLA ist auch interessant für die Mitglieder der Deutschen Filmakademie, die sich hier die Nominierungen zum Deutschen Filmpreis vorausgewählten Filme noch einmal auf der großen Leinwand ansehen können.

Berlinale Date: El Bulli – Cooking in Progress“

Deutschland 2010, Regie: Gereon Wetzel
Läuft auf der Berlinale nur für Akkreditierte
www.elbulli-themovie.de

Text: Marcus Woeller
Foto Credit: El Bulli Cooking in Progress (c) if productions
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